Harald Werner
Harald Werner - alles was links ist
Die Linke

Der Inhaltsverlust neoliberaler Inszenierungstechniken

Man kann die gegenwärtige Alltagskultur der Postmoderne oder dem Neoliberalismus anlasten, auf jeden Fall aber unterscheidet sie sich gravierend von allen bisherigen Ästhetiken kapitalistischer Modernisierung. Wobei die Anpassung der Menschen an das jeweilige Akkumulationsregime des Kapitals noch nie eine solche Breite und Tiefe erreichen konnte, wie in der neoliberalen Wirklichkeit. In den unterschiedlichsten Wirklichkeitsbereichen verschwinden die Inhalte der Handlungen immer stärker hinter Inszenierungen, die dem Geschehen zwar einen kreativen Anstrich geben, aber austauschbar und inhaltsleer bleiben. Mach was du willst heißt es, sei kreativ und originell, liberal oder konservativ, vor allem aber gebe alles und sei produktiv. Ob Arbeiter und Angestellte, Freelancer oder Unternehmer Wissenschaftler, Politiker und Sportler, sie alle haben sich daran gewöhnt und gewöhnen müssen, ihr Tun zu inszenieren, um kompetent und leistungsstark auf dem Markt in Erscheinung zu treten.

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Share-Ökonomie: Weder solidarisch noch ökologisch

Für den Kapitalismus gibt es so gut wie nichts, woraus sich kein Profit machen lässt. Das gilt auch für die Lieblingsidee aller alternativen und grünen Kapitalismusverbesserer, die Share-Ökonomie: Nicht mehr kaufen oder besitzen, sondern teilen. Vor allem Autos und Wohnungen aber auch Werkzeuge und Dienstleistungen. Doch aus der ökologischen und solidarischen Idee ist längst eine höchst profitträchtige Geschäftsidee geworden, die sich auf wundersame Weise der scheinbar demokratischen  und sozialen Netzwerke bedient aber vor allem Milliardengewinne abschöpft. Denn eines ist sicher: Auch der Kapitalismus des 21. Jahrhunderts kommt nicht ohne ausbeutungsfähige Arbeitskraft auf der einen Seite und Anlage suchendem Kapital auf der anderen aus. Der Share-Kapitalismus demonstriert eindrucksvoll, wie der Neoliberalismus nicht nur soziale Grausamkeiten verursacht, sondern auch im Gewand demokratischer und sozialer Kostüme daherkommen kann.

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Die Schweizer Kuhhörner, das bedingungslose Grundeinkommen und das Neue Deutschland

Am 5. Juni findet in der Schweiz eine Volksabstimmung über fünf Vorlagen statt. Darunter zwei die sich mit der Grundversorgung in Bereichen wie Energie, Verkehr oder Wasser beschäftigen, eine Vorlage, die den Schweizer Kühen das Tragen von Hörnern sichern soll und eine weitere, die die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens verlangt. Das Neue Deutschland scheint sich eher für exotische Themen zu interessieren, weshalb es einen Artikel zu den Schweizer Kuhhörnern veröffentlichte und zum bedingungslosen Grundeinkommen sogar eine ganze Seite reservierte. Was es mit der Forderung zur Sicherung der öffentlichen Daseinsvorsorge auf sich hat, hielt die ND-Redaktion offenbar für vernachlässigenswert. Grund genug also, sich einerseits mit der in den Papierkorb gelandeten öffentlichen Daseinsvorsorge und anderseits mit dem ganzseitig gelobten bedingungslosen Grundeinkommen zu befassen.

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Die Grünen auf dem Weg zur „Partei der Besserverdienenden“

Die Parteienlandschaft ist kräftig in Bewegung gekommen. Die CSU läuft der AfD hinterher, in der CDU formiert sich eine Anti-Merkel-Front, Gabriel will unter dem Titel „Soziale Gerechtigkeit“ die Probleme lösen, die die SPD unter Schröder selbst geschaffen hat und die FDP ist wieder da wo sie schon mal war. Und fast unbemerkt sind einflussreiche Teile der Grünen dabei, die Partei für „Besserverdienende“ komfortabler zu machen. Wenn dies so gelingt, wie beabsichtigt, dann dürfte dem rot-rot-grünen Projekt für sehr, sehr lange Zeit die Luft ausgehen. Nicht zu letzt auch durch die auf einem Rekordtief angelangte SPD.

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Seien wir mal ehrlich…

...die LINKE steckt in ihrer tiefsten Krise seit sie sich gründete und zwei Jahre später mit 11,9 Prozent in den Bundestag einzog. Inzwischen liegt sie in den Umfragen bei nur noch sieben Prozent und hat rund ein Viertel an Mitgliedern eingebüßt. Grund genug also, dass Katja Kipping und Bernd Riexinger jetzt „Vorschläge für eine offensive Strategie der LINKEN“ ausarbeiten ließen. Wer eine ehrliche, vielleicht sogar selbstkritische Bestandsaufnahme erwartet hatte, dürfte enttäuscht sein.[1] Gleichzeitig darf man von einem Strategiepapier erwarten, dass es nicht nur auflistet, „was“ man erreichen will, sondern vor allem „wie“ es zu erreichen ist. Stattdessen bleibt das Papier bei programmatischen Forderungen stehen und kündet sogar eine „Revolution“ an, was bei der bestehenden Lage wie „Pfeifen im dunklen Walde“ anmutet.

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[1] Einen deutlich präziseren und auch analytisch überzeugenden Beitrag zum Thema hat Bernd Riexinger im „Sozialismus“ veröffentlicht,  „Welche Strategien braucht die Linke?,“ Heft 5-2016

Brauchen wir einen linken Populismus?

Seit der Rechtspopulismus zu einem Gattungsbegriff erhoben wurde, lässt sich schwerlich über linken Populismus reden, ohne sich dabei an die Demagogie der AfD oder die dumpfsinnigen Parolen von Pegida zu erinnern. Wobei auch der LINKEN der Populismusvorwurf um die Ohren gehauen wird, was wir ungern hören, wo wir doch mit realitätsnahen und bis ins Detail durchgerechneten Alternativen aufwarten können. Wer sich jedoch hinsichtlich des Populismus Denkverbote auferlegt, ignoriert eine längst überfällige und auch bereits begonnene Debatte[1], über die Erringung ideologischer Hegemonie unter den Bedingungen einer sich immer mehr ausdifferenzierenden Gesellschaft. Möglicherweise kann die Beschäftigung mit dem linken Populismus von Ländern wie Brasilien, Argentinien und Bolivien eine Reihe von Fragen klären helfen, die die traditionelle Klassentheorie bisher nur unzureichend beantwortet hat, nämlich wie aus einer „Klasse gegenüber dem Kapital“ eine „Klasse für sich selbst“ werden kann.

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[1] Vergl. dazu: „Warum Populismus“, Ernesto Laclau, Zeitschrift LuXemburg, Berlin Mai 2014

Wir werden die AfD nicht so schnell vergessen

In den 1960er Jahren zog die NPD in fünf Landtage ein und verschwand wieder aus ihnen. Das Gastspiel der Republikaner endete ebenso wie das der DVU kläglich und an die Schillpartei erinnert sich kaum noch jemand. Auch das Schicksal der AfD ist offen, weil ihre Heterogenität diverse Abspaltungen und Neugründungen erwarten lässt. Trotzdem werden wir sie nicht vergessen, weil sie das Parteiensystem mit seinen gewohnten Koalitionen umwälzen wird, die politische Mitte nach rechts verschiebt und sich die AfD, anderes als ihre Vorgängerparteien, zumindest im Osten mit Pegida auf eine außerparlamentarische Bewegung stützen kann. Keine der Bundestagsparteien wird von diesen Umbrüchen unberührt bleiben – auch die LINKE nicht, weil sie das Alleinstellungsmerkmal als Protestpartei verlieren könnte. Die Frage ist deshalb nicht mehr, wie man mit der real existierenden AfG umgehen soll, sondern wie man auf die Tatsache reagiert, dass der Rechtspopulismus eine Massenbasis gewinnen konnte. Denn im Unterschied zu all ihren Vorgängerparteien hat die AfD nicht nur den bekannten rechten Rand mobilisiert, sondern konnte vor allem in der konservativen Mitte, aber auch in den politikverdrossenen Unterschichten Stimmen gewinnen.

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Die sozialpsychologische Basis von Pegida und AfD

Es lässt sich kaum etwas über den geistig-emotionalen Zustand der Anhänger von Pegida oder den Sympathisanten der AfD sagen, wenn man nur auf ihr aktuelles Thema, nämlich die Flüchtlingskrise schaut. Wahrscheinlich ist die Flüchtlingsproblematik nicht mehr als der zentrale Anlass des europaweit zunehmenden Rechtspopulismus, nicht aber seine Ursache. Deshalb wäre als erstes zu fragen, welche Umbrüche in der materiellen Lebenspraxis stattgefunden haben und zweitens welche psychischen Dispositionen dem Rechtspopulismus zugrunde liegen. Zum einen führt deshalb kein Weg daran vorbei, die historischen Vorläufer dieser Bewegungen zu untersuchen und zum anderen wäre zu fragen, welche sozialen Milieus mit welchen Bewusstseinstypen zum Rechtspopulismus neigen.

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Vom sozialen Netzwerk zur digitalen Müllkippe

Eine gewisse Ernüchterung über den Charakter der angeblich sozialen Netzwerke gibt es schon länger, doch seit kurzem häufen sich Anlässe, bei denen sie sich als digitale Müllkippe präsentieren. Hassprediger und Verschwörungstheoretiker haben in den Netzen schon früh ein Medium gefunden, dass auch noch dem letzten Spinner eine Bühne zur Verbreiterung abstruser, abstoßender oder gefährlicher Botschaften bereitet. Spätestens seit der IS seine Hasspropaganda ins Internet stellt und dort „Kämpfer“ rekrutiert, ist der digitale Raum nicht mehr nur eine politische Bühne, sondern auch ein gefährliches politisches Instrument geworden. Es mehren sich die Fälle, wo die Netzkommunikation die politische Stimmung beeinflusst oder sogar die Außenpolitik beschäftigt, wie bei der angeblichen Entführung und Vergewaltigung eines 13 jährigen russlanddeutschen Mädchens. Es stellt sich die Frage, woher die Netze diese Macht bekommen und letztlich auch, weshalb die Rechte davon profitiert, kaum aber die Linke.

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Man kann nicht über die Flüchtlingskrise reden

und über die globale Ungleichheit schweigen

Es gibt zwei Tatsachen, die bei der Diskussion über die Flüchtlingskrise regelmäßig unter den Tisch fallen. Erstens, dass das deutsche Flüchtlingsproblem fast schon eine Randerscheinung ist, wenn man an die weltweit 60 Millionen Flüchtlinge denkt und zweitens wie wenig über den Zusammenhang von Flüchtlingselend und kapitalistischer Globalisierung geredet wird. Denn letztendlich verbergen sich hinter sämtlichen Fluchtbewegungen ökonomische Ursachen. Kein Bürgerkrieg in dem es nicht um die Verfügung über wirtschaftliche Ressourcen geht und keine Armutsflüchtlinge im unterentwickelten Süden ohne explodierenden Reichtum im kapitalistischen Norden. Wie groß die globale Ungleichheit inzwischen geworden ist, zeigt nichts besser als die aktuelle Oxfam-Studie, nach der auf unserem Globus nur 62 Superreiche soviel besitzen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung.[1] Wobei man darüber streiten kann, welches der größere Skandal ist: Entweder die schreiende Ungleichheit oder, dass es darüber keine öffentliche Empörung gibt - erst recht aber keinen Bezug zur weltweiten Flüchtlingskrise. Wahrscheinlich auch deshalb, weil das Wissen darüber verloren gegangen ist, dass die Explosion des Reichtums zwangsläufig in wachsende Verarmung mündet.  

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Ein dummer Krieg

Kriege sind in der Regel verbrecherisch oder sinnlos, doch der Krieg gegen den IS ist gleichzeitig ein dummer Krieg. Im Kossovo, in Afghanistan und im Irak wurde die politische Strategie durch eine militärische ersetzt, doch dem Krieg gegen den Islamischen Staat mangelt es sogar daran. Es ist als würde man einen Elefanten durch die Fußgängerzone jagen, um eine Mücke zu fangen. Militärstrategen schätzen, dass zehn Jahre nötig wären, um den IS zu besiegen. Dass dies nicht zu hoch gegriffen ist, beweist der bereits seit 14 Jahre dauernde Afghanistankrieg. Und wie beim Krieg gegen die Taliban  wird auch beim Krieg gegen den IS nur eines sicher sein: Tausende Zivilisten werden in diesem dummen und sinnlosen Krieg ihr Leben lassen und von den Überlebenden werden sich ungezählte, traumatisierte Menschen in einer neuen Terrormiliz zusammenfinden.

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Warum schreien jetzt alle nach Grenzen?

Will man den Kern der aktuellen Flüchtlingsdebatte freilegen, dann geht es vor allem um Grenzen: Obergrenzen für die Flüchtlingsaufnahme bei den einen, sichere Außengrenzen bei den anderen. Seehofer will Obergrenzen, Merkel will keine Obergrenzen, sondern den Zustrom begrenzen und die SPD will ihn nicht begrenzen, sondern nur reduzieren. Von einem Formelkompromiss zum nächsten driften die herrschenden Parteien immer weiter nach rechts, getrieben vom Dumpfsinn der Stammtische, über die Pegida und AfD längst schon die Lufthoheit besitzen. Immerhin kommt die AfD in Bayern bereits auf zehn und in Ostdeutschland sogar auf 16 Prozent. Doch hinter dem Schrei nach sicheren Grenzen scheint sich mehr zu verbergen, als die Angst vor dem nicht abreißenden Flüchtlingsstrom. Wahrscheinlich sind den Mensche in ihrer Alltagswelt bereits zu viele Grenzen gefallen, auf die sie sich bisher verlassen hatten.

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Deutschland im Herbst

Götterdämmerung und Kontrollverlust

Deutschland geht es gut. Die Arbeitslosenzahlen sind auf dem tiefsten Stand seit zwei Jahrzehnten, das Wirtschaftswachstum ist das stärkste und die Staatsverschuldung die niedrigste im Euroraum. Weshalb wird man trotzdem nicht den Eindruck los, dass das Land in einer Krise steckt? Scheinbar sind es die Flüchtlingsprobleme, die dafür verantwortlich sind, dass es im politischen System knirscht, der Rechtspopulismus zunimmt und die herrschenden Parteien an Akzeptanz verlieren. Man sollte jedoch den Anlass einer Krise niemals für deren  Ursache halten. Wobei es weniger um aktuelle Ursachen geht, sondern um Entwicklungstendenzen, aufgestaute Probleme und unkalkulierbare Risiken. Auch die aktuelle Flüchtlingskrise markiert lediglich den Scheitelpunkt eines seit langem stattfindenden Kontrollverlusts der Eliten wie der Massen über die gesellschaftliche Entwicklung. Das Besondere an dieser Krise ist ihre sinnliche Wahrnehmbarkeit und die damit verbundenen sozialpsychologischen Effekte. Was sie übrigens von der mit ungleich größeren Gefahren verbundenen Finanz- und Bakenkrise unterscheidet. Die Flüchtlingskrise hat das Zeug, nicht die ökonomische, wohl aber die soziapsychologische Belastbarkeit der europäischen Gesellschaften zu überschreiten.

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Die Chancen der Flüchtlingskrise

Im Chinesischen besteht das Schriftwort für Krise aus zwei Zeichen: Einmal aus dem Zeichen Gefahr und zum anderes aus Gelegenheit. Reden wir also mal über die Chancen, die sich aus der gegenwärtigen Krise ergeben und vergessen vorübergehend den Chaosdiskurs. Denn Tatsache ist, dass die Flüchtlingskrise unzählige Anlässe geschaffen hat, nicht nur über Europa neu nachzudenken, sondern auch den herrschenden Eurozentrismus in Frage zu stellen.

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Das alte Gift der jungen Freiheit

Rechtsextreme Deutung der Flüchtlingsprobleme

Wer glaubt, dass nur Dumpfbacken gegen Asylbewerber hetzen, sollte die „Junge Freiheit“ lesen. Auf diesem intellektuellen Hinterhof von NPD, AfD und Pegida findet sich ein giftiges Pflänzchen, das allzu sehr an die faschistische Rassenideologie und ihre Verachtung der Menschenrechte erinnert. Ein gewisser Weißmann[1] bemüht sich, die „Duldsamkeit gegenüber der Dekadenz“ der „Migrationsgewinnler“ in der politischen Klasse zu brandmarken und appelliert an den „Selbstbehauptungswillen“ des „weißen Mannes am Anfang des 21. Jahrhunderts“. Dieser historische Krebsgang ist zwar auf seine Weise komisch, hat aber das Zeug zur ideologischen Aufrüstung fremdenfeindlicher Dumpfbacken und der Rechtfertigung rassistischer Gewaltakte.

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[1] Junge Freiheit, 20. August 2015

Europa muss sich neu erfinden

Scheitert die europäische Flüchtlingspolitik - scheitert die EU

Bis vor wenigen Wochen schien es, als würde die EU an der griechischen Krise scheitern, inzwischen mehren sich jedoch die Anzeichen, dass Europa an seiner Flüchtlingspolitik zerbrechen könnte. Einerseits weil es an einem politischen Konzept zur Bewältigung der Flüchtlingsströme mangelt, mehr noch aber weil die Union noch nie so tief gespalten war, wie gerade in dieser Frage. Hält der Zustrom an, woran kein Zweifel besteht, und werden weder seine Ursachen bekämpft, noch neue Wege in der Migrationspolitik beschritten, dann drohen mindestens drei Gefahren: Erstens die Zunahme rechtsextremer und europafeindlicher Tendenzen, zweitens kommt das Prinzip offener Grenzen unter Druck und drittens die innergemeinschaftliche Solidarität. Denn die Hartleibigkeit, mit der sich insbesondere einige osteuropäische Mitgliedsländer der Aufnahme von Flüchtlingen widersetzen, wirft bei den Geberländern zwangsläufig die Frage nach der Berechtigung ihrer finanziellen Unterstützung auf. Ohne eine europaweit ausgehandelte und auf Integration ausgerichtete Flüchtlingspolitik drohen den Ländern der EU zunehmende interne Konflikte und die europäische Gemeinschaft wird Fliehkräften ausgesetzt, an denen sie tatsächlich zerbrechen kann.

 

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Das große Vergessen:

Die BRD ein Flüchtlingsland

Die unappetitliche bis kriminelle Flüchtlingsfeindlichkeit in großen Teilen der bundesdeutschen Bevölkerung steht in einem krassen Gegensatz zu ihrer eigenen Geschichte. Die angeblich „wahren Deutschen“ übersehen nämlich, oder wollen übersehen, dass dieses Land seit seiner Gründung eine Republik der Flüchtlinge und Einwanderer ist. Insgesamt addiert sich die Zahl der in Folge der Kriegs- und Nachkriegswirren nach Westdeutschland Geflüchteten und Vertriebenen auf etwa acht Millionen. Selbst in Bayern ließen sich in den Nachkriegsjahren 1,7 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene nieder, so dass ihr Anteil an der dortigen Wohnbevölkerung zeitweise 20 Prozent betrug.[1] Damit nicht genug, flüchteten zwischen 1951 und 1989 vier Millionen DDR-Bürger in die BRD, so dass sich die Zahl der bis 1989 nach Westdeutschland, beziehungsweise in die BRD geflüchteten Menschen auf rund 12 Millionen addiert.[2] Rechnet man deren hier geborenen Kinder hinzu, kommt man leicht auf einen Bevölkerungsanteil mit „Flüchtlingshintergrund“ von mindestens 30 Prozent. Doch es geht noch weiter: 2013 zählte das Statistische Bundesamt 15,9 Millionen Einwohner mit Migrationshintergrund, von denen 9,7 Millionen einen deutschen Pass besaßen. Rechnet man diese Zahlen hoch, bezieht also die hier geborenen Flüchtlingskinder mit ein, so besteht die so genannte deutsche Mehrheitsgesellschaft überwiegend aus Menschen mit Flüchtlings- oder Migrationshintergrund. Diesen über 20 Millionen Bundesbürgern, die in den vergangenen fünf Jahrzehnten als Flüchtlinge oder Migranten in die BRD integriert werden konnten,  stehen nur 179.000 Menschen gegenüber, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen Asylantrag stellten.

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[1] Süddeutsche Zeitung, Internetausgabe,1. März 2015

Der Fall Schäuble:

Nichtschuldig im Sinne der Anklage

Wolfgang Schäuble ist im Moment sicherlich der bestgehasste Deutsche – zumindest im Ausland. Als er mit seiner Grexit-Drohung Syriza an die Wand nagelte löste er im Netz den wahrscheinlich größten Shitstorm der letzten Jahre aus. Innerhalb eines Tages erschienen bei Twitter unter dem Hashtag #ThisIsACoup mehrere Hunderttausend wütende Stellungnahmen zu der von Schäuble konstruierten Griechenlanderpressung. Und es geht weiter: Obwohl der Grexit abgewendet scheint, stichelt der Finanzminister weiter und betrachtet dies nach wie vor „für die viel, viel bessere Lösung“[1] Man würde dem deutschen Finanzminister jedoch Unrecht tun, ihn als schlechten Europäer und kaltherzigen Vertreter deutschen Interessen anzuklagen. In der aktuellen Situation hält sich kein anderer europäischer Staatsmann so konsequent an den Geist und die Regularien der EU wie Wolfgang Schäuble. In gewisser Hinsicht muss man ihm sogar dankbar sein, mit welcher Hartnäckigkeit er die ideologischen Schleier eines neoliberalen Projekts herunterreißt, in dem kein Platz für Solidarität aber viel Raum für deutsche Großmachgelüste ist.

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[1] Berliner Zeitung, 15. Juli, S.6

Sieg oder Niederlage für Syriza?

Für Syriza aber auch für die gesamte europäische Linke stellen sich nach der Einigung zwischen den Vertretern der griechischen Regierung und den Brüsseler Spitzen zwei Alternativen. Entweder sie stimmen dem Ergebnis zu oder lehnen es ab. Zustimmung heißt natürlich zunächst einmal einer Erpressung zuzustimmen und auch Forderungen zu akzeptieren, die man vorher abgelehnt hat. Lehnt man dagegen den Kompromiss ab, scheint man ein Signal gegen die Austeritätspolitik zu setzen und auf der Seite der Griechen zu stehen, die bei der Volksabstimmung Nein sagten. Doch so einfach stellen sich die Alternativen nicht mehr. Es geht nicht mehr um Ja oder Nein zur erpresserischen Politik der europäischen Institutionen, sondern um konkrete ökonomische und politische Alternativen. Auf der einen Seite ein aus dem Euroraum verstoßenes Griechenland, das in eine soziale und ökonomische Katastrophe schlittert und auf der anderen die zweite Chance für ein in Europa bisher einmaliges linkes Projekt.  

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Der finale Rettungsschuss für Griechenland

 

 

Rein logisch betrachtet ist der Vorschlag von Schäuble, Griechenland noch mehr Lasten aufzuladen oder für fünf Jahre den Euro zu entziehen, der reine Wahnsinn. Beide Wege werden Griechenland nicht nur in ein soziales, sondern auch in ein wirtschaftliches Chaos stürzen. Doch, um es mit Shakespeare zu sagen: „Ist dies schon Wahnsinn, so hat es doch Methode“. Schäuble geht es nämlich nicht mehr um die Überwindung der griechischen Krise, sondern um einen finalen Rettungsschuss, mit dem gleich drei Probleme auf einen Schlag gelöst werden sollen.  

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Erst ausgeplündert dann ausgesperrt

Sieht man einmal von Dumpfbacken wie Horst Seehofer ab, der angesichts der anschwellenden Flüchtlingszahlen immer noch vor der „Einwanderung in unsere Sozialsysteme“ warnt, scheint sich In der politischen Elite Europas allmählich die Einsicht durchzusetzen, dass man nicht die Flüchtlinge, sondern die Fluchtursachen bekämpfen muss. Womit vor allem der Zerfall von Staaten, Bürgerkriege, Hungersnöte und islamistischer Terror gemeint sind. Bei näherem Hinschauen zeigt sich jedoch, dass dies nicht die Ursachen, sondern bestenfalls die Anlässe der Massenflucht sind. Der eigentliche Grund, vor allem für den Niedergang Afrikas, ist in der neoliberalen Freihandelspolitik und der Raffgier des Finanzkapitals zu suchen, wovon vor allem die EU profitiert. Europa hat Afrika erst hemmungslos ausgeplündert und anschließenden die Leidtragenden ausgesperrt. In der Summe haben die kapitalistischen Hauptländer in der Vergangenheit aus Afrika mehr als doppelt soviel  Profit abgezogen, wie sie Entwicklungshilfe leisteten.[1] Wobei auch Letztere weniger den Massen und ihren Lebensbedürfnissen zugute kamen, als aufwendigen Infrastrukturprojekten, die der intensiveren Ausplünderung des Kontinents dienten. Was jedoch keine Entwicklungshilfe mehr wettmachen kann, das ist die großflächige Zerstörung der afrikanischen Zivilisation.

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[1] www.paxchristi.de/meldungen/view/5024297840017408/schulden

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Widerspruch - Zustimmung - Beschimpfung:
 



Politische Psychologie des Sozialismus

Die emotionale Seite rationalen Handelns

Sozialistische Theorien werden in der Regel mit ökonomischen, politikwissenschaftlichen oder historischen Studien in Verbindung gebracht, während Veröffentlichungen zum Zusammenhang von Sozialismus und Psychologie Seltenheitswert haben. Dabei geht es nicht darum, sozialistische Politik zu psychologisieren.

Der Autor leistet in der Tradition der Kritischen Psychologie einen Beitrag zur Politisierung der Psychologie. Das kann letztlich nur durch eine Anwendung psychologischer Theorien auf die politische Alltagspraxis gelingen. Ausgehend von zentralen psychologischen Kategorien wird die aktuelle politische Praxis interpretiert.

vsa Verlag 176 Seiten | 2015 | EUR 16.80

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